Warum eskalieren Konflikte? Die 9 Stufen nach Glasl einfach erklärt
Konflikteskalation Glasl: Warum eskalieren Konflikte überhaupt? Das 9-Stufen-Modell nach Friedrich Glasl macht es verständlich – wichtig für jede Mediation in Wien.
Konflikteskalation nach Glasl verläuft in neun Stufen: von anfänglichen Missverständnissen (Win‑Win) über Machtringen (Win‑Lose) bis zur gegenseitigen Schädigung (Lose‑Lose); je höher die Stufe, desto kleiner der Handlungsspielraum und desto eher braucht es eine neutrale Drittperson. In Wien liegen Mediationshonorare typischerweise bei 140–240 EUR/Stunde (Co‑Mediation 220–420 EUR), mit etwa 3–6 Sitzungen auf den Stufen 1–3 und 8–16+ Sitzungen auf den Stufen 4–6, je nach Komplexität und Anzahl der Beteiligten.
Was ist das Glasl-Modell (Konflikteskalation nach Glasl)?
Das Glasl-Modell ist ein praxiserprobtes Stufenmodell, das beschreibt, wie Konflikte in neun Eskalationsstufen kippen – von lösungsorientiert zu destruktiv. Es zeigt präzise, wie sich Kommunikation, Wahrnehmung und Ziele je Stufe verändern: Anfangs suchen Menschen noch Verständigung, später verteidigen sie ihr Gesicht oder greifen zu Drohungen, am Ende steht oft Schaden, den alle Seiten in Kauf nehmen. Für die Mediation dient das glasl modell als Kompass: Es hilft mir, die passende Intervention und den richtigen Rahmen für Ihren Fall zu wählen.
In der Praxis in Wien setze ich das Modell in ganz unterschiedlichen Feldern ein – von Trennung/Scheidung, Nachbarschaft und Erbschaften bis zu Teams, Führung und Betriebsräten. Typische Einstiegssignale: Gespräche werden zäh, E‑Mails härter, Verbündete werden gesucht, und irgendwann wird nicht mehr miteinander, sondern übereinander gesprochen. Auf Stufe 1–3 ist die gemeinsame Lösungsfindung meist gut möglich; ab Stufe 4–6 braucht es klare Strukturen, Vertraulichkeit und oft Co‑Mediation; bei 7–9 reden wir über Krisenmanagement.
Ein Beispiel aus meinem Mediationsalltag: Zwei Teamleitungen geraten über Ressourcen in Streit. Zunächst prallen Argumente aufeinander (Stufe 1–2). Nach einigen Wochen werden Termine ohne Absprache verschoben, Informationen zurückgehalten (Stufe 3). Als Kolleginnen hineingezogen und Gerüchte gestreut werden (Stufe 4), stabilisiert eine strukturierte, allparteiliche Mediation mit Gesprächsregeln und abgestuften Vertraulichkeiten die Lage – und macht wieder fachliche Lösungen verhandelbar.
- Was wir im Erstkontakt klären: Welche Stufe? Wer ist betroffen? Welche Risiken (Zeitdruck, Gesundheit, Geschäft)?
- Rahmen: Gemeinsame Sitzungen à 90–120 Minuten oder Shuttle‑Mediation (60–90 Minuten pro Partei) bei hoher Anspannung.
- Transparenz: Honorare in Wien meist 140–240 EUR/Stunde pro Mediator/in; Co‑Mediation 220–420 EUR/Stunde.
- Über mich, meine Rolle und Allparteilichkeit: lesen Sie mehr in meinem Profil unter über mich.
Die 3 Ebenen
Win‑Win (Stufen 1–3) bedeutet: Die Sache steht im Vordergrund, Irritationen sind benennbar, und es gibt noch wechselseitiges Interesse an Verständigung. In dieser Phase wirken Moderation, Mediation light und klare Gesprächsregeln schnell. Drei bis sechs Sitzungen von je 90–120 Minuten reichen oft aus. Praxisbeispiel Familie: In der Scheidungsklärung priorisieren wir zuerst Kinderbetreuung und Übergaben (Planung, Handovers), dann Unterhaltsthemen, zuletzt Vermögensaufteilung – die Reihenfolge reduziert Reibungsverluste deutlich.
Win‑Lose (Stufen 4–6) verschiebt den Fokus auf Image, Macht und Gesichtsfragen. Koalitionen entstehen, Bloßstellungen häufen sich, und Drohungen treten auf. Hier braucht es eine professionelle, strukturierte Mediation mit verbindlichen Verfahrens- und Vertraulichkeitsregeln – oft in Co‑Mediation, vor allem ab drei Parteien oder bei hoher Komplexität. Die Sitzungszahl steigt typischerweise auf 8–16+, ergänzt um Einzelgespräche (Shuttle), um Eskalation zu dämpfen und sichere Brücken zurück in das gemeinsame Gespräch zu bauen.
Lose‑Lose (Stufen 7–9) beschreibt eine Dynamik, in der die Schädigung der Gegenseite wichtiger wird als der eigene Nutzen. Typisch sind begrenzte Vernichtungsschläge, Zersplitterung von Netzwerken und die Bereitschaft zum „gemeinsamen Abgrund“. Mediation allein reicht hier selten aus; erforderlich sind Krisen- und Sicherheitsrahmen, eventuell exekutive Eingriffe (HR/Compliance in Organisationen), Schlichtung oder gerichtliche Verfahren. Bei Paaren und Familien können getrennte Shuttle‑Settings über mehrere Wochen Stabilität schaffen, bevor ein gemeinsamer Tisch wieder tragfähig ist.
- Frühe Warnzeichen: Gesprächsvermeidung, E‑Mail‑Kaskaden, „Man hört…“‑Gerüchte, Ultimaten, Drohkulissen.
- Gute Indikatoren für Stufe 4–6: Rufangriffe, Koalitionen, öffentliche Bloßstellung, taktische Informationssperren.
- Alarmstufe 7–9: bewusste Schädigung trotz Eigenschaden, Sabotage, „alle sollen verlieren“, Sicherheitsfragen.
Die 9 Stufen kurz
Die neun eskalationsstufen nach Glasl lassen sich in drei Ebenen bündeln: 1–3 (Win‑Win), 4–6 (Win‑Lose) und 7–9 (Lose‑Lose). In der folgenden Übersicht finden Sie typische Signale, Denklogik, geeignete Interventionen, den ungefähren Aufwand und das Risiko, wenn nicht eingegriffen wird. Diese Struktur hilft, den eigenen Konflikt realistisch einzuordnen und Überreaktionen – aber auch gefährliche Verharmlosungen – zu vermeiden.
| Stufe | Name | Typische Signale | Denklogik/Ziel | Geeignete Intervention | Aufwand (Sitzungen/Stunden) | Risiko bei Nicht‑Eingreifen |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Verhärtung | Missverständnisse, zähe Gespräche | Win‑Win | Moderation/Mediation light | 3–4 Sitzungen | Verfestigung zu 2–3 |
| 2 | Debatte/Polemik | Rechthaben, Unterbrechungen | Win‑Win | Mediation mit Gesprächsregeln | 4–5 | Abwertung, Sprung zu 3–4 |
| 3 | Taten statt Worte | Umgehen, faktische Nachteile | Win‑Win | Mediation, klare Vereinbarungen | 5–6 | Vertrauensbruch, 4 |
| 4 | Koalitionen/Images | Allianzen, Gerüchte | Win‑Lose | Co‑Mediation, Beteiligtenlandkarte | 8–10 | Lagerbildung, 5 |
| 5 | Gesichtsverlust | Bloßstellung, Moralisierung | Win‑Lose | Mediation + Reframing, ggf. Shuttle | 10–12 | Chronifizierung, 6 |
| 6 | Drohstrategien | Ultimaten, Eskalationspläne | Win‑Lose | Shuttle‑Mediation, Schlichtung | 12–16 | Schaden, 7 |
| 7 | Begrenzte Vernichtung | Sabotage trotz Eigenschaden | Lose‑Lose | Krisenintervention, Autorität | 15–20 | Systemschäden, 8 |
| 8 | Zersplitterung | Zerstörung von Netzwerken | Lose‑Lose | Autoritativer Eingriff, Verfahren | 20+ | Kollaps, 9 |
| 9 | Gemeinsam in den Abgrund | Totalkonflikt | Lose‑Lose | Schadensbegrenzung, Sicherheit/Gericht | variabel | Existenzgefährdung |
Wichtig ist die nüchterne Diagnose: Nicht jede harte E‑Mail ist Drohung (Stufe 6), und nicht jedes Missverständnis bleibt harmlos (Stufe 1). In der Erstdiagnose (15–30 Minuten, häufig kostenlos) prüfe ich mit Ihnen Hinweise wie Koalitionen, Drohkulissen, öffentliche Bloßstellungen oder die Bereitschaft, eigene Nachteile für gegnerischen Schaden in Kauf zu nehmen – das sind verlässliche Marker für obere Stufen.
Welche Stufe braucht welche Hilfe
Stufen 1–3 (Win‑Win): Hier helfen Moderation, frühzeitige Mediation und klare Kommunikationsregeln. In der Regel genügen 3–6 Sitzungen à 90–120 Minuten; bei Shuttle‑Mediation planen Sie 60–90 Minuten pro Partei. Ergebnisse sind oft binnen 2–8 Wochen erreichbar. Der finanzielle Rahmen in Wien: grob 840–2.400 EUR Gesamtaufwand, geteilt zwischen den Parteien, je nach Stundenumfang und Team.
Stufen 4–6 (Win‑Lose): Jetzt braucht es eine strukturierte, professionelle Mediation – oft als Co‑Mediation, vor allem ab drei Beteiligten oder wenn Rechtsbeistände, Betriebsrat, HR/Compliance mit am Tisch sind. Rechnen Sie mit 8–16+ Sitzungen, ergänzt um Einzelgespräche und Verfahrensabsprachen (Vertraulichkeit, Informationsflüsse, Entscheidungswege). Zeitlich sind 1–3 Monate realistisch, Kostenrahmen 1.760–6.720 EUR (geteilt zwischen den Parteien). Die Erfolgswahrscheinlichkeit bleibt gut, wenn rechtzeitig interveniert wird (generell 60–80% Einigungen in der Mediationsforschung).
Stufen 7–9 (Lose‑Lose): Mediation alleine ist hier oft nicht ausreichend; Krisensettings, Shuttle‑Formate über 10–25 Stunden, Sicherheits- oder Compliance‑Eingriffe und teils autoritative Entscheidungen sind angezeigt. Ziel: Stabilisierung und Schadensbegrenzung, dann erst Lösungsarbeit. Rechnen Sie mit mehreren Monaten; der mediative Aufwand bewegt sich häufig zwischen 2.200–10.500 EUR, abhängig von Teamgröße und Nebenverfahren. Wo rechtliche Fragen entscheidend sind, empfehle ich eine unabhängige juristische Prüfung parallel – Mediation ersetzt keine Rechtsberatung.
| Konflikt‑Stufe | Typischer Zeitrahmen bis Einigung | Orientierende Sitzungszahl | Grobe Gesamtkosten (geteilt) | Empfohlener Rahmen |
|---|---|---|---|---|
| 1–3 (Win‑Win) | 2–8 Wochen | 3–6 | 840–2.400 EUR | Mediation/Moderation, gemeinsame Sitzungen |
| 4–6 (Win‑Lose) | 1–3 Monate | 8–16+ | 1.760–6.720 EUR | Strukturierte (Co‑)Mediation, teils Shuttle |
| 7–9 (Lose‑Lose) | Mehrere Monate | 10–25 Std. Krisensetting | 2.200–10.500 EUR | Krisenmanagement, Shuttle, ggf. Verfahren |
So läuft die Mediation typischerweise ab: 1) Orientierung (15–30 Minuten, oft kostenlos) mit Vorab‑Diagnose und Verfahrensklärung; 2) Ersttermin binnen 7–14 Tagen, Festlegung der Spielregeln (Vertraulichkeit, Redezeiten, Dokumentation); 3) Themensammlung und Priorisierung (z. B. Kinder/Übergaben, Finanzen, Kommunikation); 4) Interessenklärung und Optionen; 5) Bewertung und Realitätscheck; 6) Vereinbarung mit Umsetzungsplan. In späten Stufen ergänzen wir Sicherheits- und Kommunikationsprotokolle, bevor Inhalte verhandelt werden.
- Sitzungsdauer: 90–120 Minuten; Shuttle‑Formate 60–90 Minuten je Partei.
- Teilnehmerzahl: 2–6 Parteien, bei Bedarf mit Rechtsbeiständen oder Beobachtern.
- Rechtswirkung: Mediationsvereinbarungen sind verbindlich; eine notarielle oder anwaltliche Prüfung kann sinnvoll sein.
- Terminvergabe: In Wien meist Ersttermin innerhalb von 7–14 Tagen möglich; kurzfristige Krisentermine nach Rücksprache.
Abgrenzung und Haltung in meiner Arbeit: Ich arbeite allparteilich (Unterstützung aller Seiten), freiwillig (Ausstieg jederzeit möglich) und vertraulich (Weitergabe nur mit Zustimmung). Mediation ist keine Rechtsberatung; bei juristischen Fragen empfehle ich unabhängige Auskunft oder Vertretung. Mein Fokus liegt auf Verständigung, Interessen und tragfähigen Vereinbarungen – Orientierung statt Urteil. In hohen Eskalationsstufen gilt: Sicherheit vor Schnelligkeit; das passende Verfahren hat Vorrang vor Tempo. Mehr zu meiner Arbeitsweise finden Sie unter über mich; für eine kurze, allparteiliche Erstdiagnose können Sie mich über das Kontakt-Formular erreichen.
Haeufige Fragen
Was sind die 9 Eskalationsstufen?
Die neun Stufen nach Glasl sind: Verhärtung, Debatte/Polemik, Taten statt Worte, Koalitionen/Images, Gesichtsverlust, Drohstrategien, begrenzte Vernichtungsschläge, Zersplitterung und gemeinsam in den Abgrund. Sie gruppieren sich in drei Ebenen: Win‑Win (1–3), Win‑Lose (4–6) und Lose‑Lose (7–9) und zeigen eine zunehmende Destruktivität des Konflikts.
Auf welcher Stufe ist mein Konflikt?
Prüfen Sie typische Signale: 1–3 sind noch sachorientiert, 4–6 von Gesichts- und Machtfragen geprägt (Koalitionen, Bloßstellung, Drohungen), 7–9 von bewusster Schädigung trotz Eigenschaden. Gute Indikatoren sind Rufangriffe, Ultimaten oder Eskalationspläne. Eine kurze, allparteiliche Erstdiagnose hilft, die Stufe zuverlässig einzuordnen.
Wann hilft nur noch ein Dritter?
Spätestens ab Stufe 4–6 ist eine neutrale Drittperson angezeigt, ab 7–9 zwingend zur Schadensbegrenzung. Hinweise sind festgefahrene Gespräche, Drohungen, Allianzen, öffentliche Bloßstellung oder Eskalationspläne. Frühzeitige Mediation senkt Kosten und Risiken; in späten Stufen sind Schlichtung, autoritative Entscheidungen oder Gerichte oft notwendig.
Sie stecken in einem Konflikt? Mediation kann helfen.
Als eingetragene Mediatorin in Wien begleite ich Sie allparteilich, freiwillig und vertraulich zu einer einvernehmlichen Lösung – bei Trennung, Scheidung, Familien-, Erb- und Unternehmenskonflikten. Kostenloses Erstgespräch vereinbaren.
Hintergründe zum Verfahren bietet der Artikel zur Mediation bei Wikipedia.